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Warum emotionale Kompetenz aktuell so wichtig ist.

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Warum emotionalen Kompetenzen aktuell so wichtig sind

Führungskräfte des mittleren und oberen Managements im pflegerischen Bereich sind aktuell mit sehr vielen Aufgaben konfrontiert. Das Spektrum reicht von Organisieren und Koordinieren von verschiedensten Prozessen, die sich stündlich, täglich oder wöchentlich verändern bzw. erneuern über Durchführen, Delegieren, Terminieren und Verwalten von Maßnahmen bis hin zum Beurteilen und Bewerten von Situationen, um daraus in rasanter Schnelligkeit Entscheidungen abzuleiten zu treffen. Alles parallel bzw. zusätzlich zu den bisherigen, täglichen Aufgaben von Führungskräften. Gleichzeitig Kommunizieren wie z.B. Schlichten, Zuhören, Beschwichtigen, Beruhigen, Überzeugen (meist Überreden), Argumentieren zwischen und mit Bewohnern, Angehörigen, aber auch MitarbeiterInnen und KollegInnen. Und das alles in einem schwindelerregenden Tempo bei dem keine Pausen zum Nachdenken, "Luftholen" und Reflektieren möglich sind. Das erfordert nicht nur fachliche und methodische Kompetenz, sondern ganz besonders Wachheit, ständige Aufmerksamkeit sowie ein starkes Nervenkostüm. Also insgesamt eine solide Basis sozialer bzw. vor allem emotionaler Kompetenz.

Die Realität stellt sich leider anders dar: Viele Leitungskräfte z.B. in Pflegeeinrichtungen kommen derzeit entweder kaum oder gar nicht nach Hause zu ihren Angehörigen und übernachten in den Einrichtungen und/oder sie sind erschöpft und ausgelaugt. Es ist nicht nur die physische Überforderung und Überlastung von Führungs- und Leitungskräften sowie MitarbeiterInnen, sondern auch die emotionale Belastung, die an ihnen zehrt. Dies kann wiederum fatale Folgen haben: Eine Zunahme von inneren Konflikten und anderen Personen. Die emotionale Überlastung kann u. U. auch zu seelischen Belastungen bis hin zu dauerhaften Symptomen von psychischen Erschöpfungszuständen führen, die mit einer längeren Phase von Krankschreibungen einher gehen.

Führungs- und Leitungskräften haben nicht nur Vorbildcharakter für MitarbeiterInnen und KollegInnen. Sie haben als Vorgesetzte auch eine Fürsorge-Pflicht gegenüber Ihren MitarbeiterInnen. Das heißt sie sollten selbst besonnen und überlegt handeln. Aber auch gleichzeitig Anzeichen einer drohenden Überforderung von MitarbeiterInnen erkennen können und entsprechend handeln. Wer allerdings selbst einer Überlastung ausgesetzt ist und diese kaum zu bewältigen imstande ist, der ist auch kaum in der Lage, seine Mitarbeiter einzuschätzen. Dazu bedarf es einer besonderen Kompetenz, der emotionalen Kompetenz. Sie umfasst soziale Kompetenz und Selbstkompetenz. Also die Fähigkeit mit Mitmenschen angemessen umzugehen, sich zu integrieren, zu kommunizieren sowie die Fähigkeit zur Selbstreflexion. 

Was sind Emotionen, wie entstehen sie und äußern sich? 

Emotionen sind meist schnell einschießende Gefühlszustände wie z.B. Angst, Ärger, aber auch Trauer, Überraschung oder Freude (Barnow 2014). Erleben von Emotionen äußert sich meist über Mimik, Gestik oder Körperhaltung. So erfolgt das Emotionserleben immer auf mehreren Dimensionen: Emotionen drücken sich körperlich, in den Gedanken und deren Bewertung sowie durch die daraus entstehenden Handlungen aus.

Sie resultieren meist aus den Gedanken, die wir uns beim Erleben einer Situation machen und wie wir sie bewerten (gut oder schlecht, angenehm oder unangenehm. Diese Emotionen wiederum werden von körperlichem Erleben begleitet: Ärger über eine erlebte Situation wird begleitet durch Herzklopfen oder einer starken Anspannung. Daraus ergibt sich der Drang nach einer Handlung. Je stärker die Empfindung einer Emotion, desto stärker deren Bewertungen, die körperlichen Empfindungen und der Handlungsdruck. Schlimmstenfalls kann dies zu „unangemessenen emotionalen Reaktionen“ oder „langanhaltenden negativen Gefühlen“ führen (s. Barnow, 2012).

Was beschreibt nun emotionale Kompetenz konkret und wie kann ich sie ausbilden bzw. stärken?

Emotionale Kompetenz ist die Wahrnehmung von Emotionen bei anderen Menschen und bei einem Selbst sowie die Steuerung bzw. Regulation dieser Emotionen bei Anderen und bei sich selbst. Die möglichst umfassende und genaue Wahrnehmung der Emotionen bei anderen Menschen ist die Voraussetzung für adäquate Regulationsstrategien. Wahrnehmung erfordert daher aufmerksame Beobachtung von z.B. Mimik anderer Menschen. Das Erkennen der eigenen Emotionen erfordert ebenso eine differenzierte Wahrnehmung, indem die Reflexion des eigenen emotionalen Erlebens von Situationen, Bewertungen und der darauffolgende Emotionen als Reaktion erfolgt.

Diese Emotionen, die jeder selbst erlebt, kann über verschiedene Strategien reguliert werden: Indem entweder die Situation verändert wird (sofern dies möglich ist) oder die Aufmerksamkeit auf andere Aspekte der Situation verlagert wird. Oder über eine Neubewertung einer als unangenehm erlebten Situation. Aber auch das Akzeptieren der Emotionen ist eine Regulationsstrategie sowie der Umgang damit.

Wichtig ist dabei, dass man flexibel bleibt beim Einsatz der Regulationsstrategien in Abhängigkeit von Situation und Kontext. Denn der ist entscheidend „für die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden“ (Barnow, 2015).

Diese Kompetenzen sind gerade und besonders in den derzeitigen herausfordernden Zeiten von Corona hilfreich, um einen gesunden Umgang mit den herausfordernden Situation zu ermöglichen. 

Die Emotionen anderer Menschen zu regulieren geschieht größtenteils über eine konstruktive Kommunikation mit den betreffenden Personen, z.B. darüber, dass Emotionen wahrgenommen werden, dass sie benannt werden, dass die dahinterliegenden Bedürfnisse angesprochen werden sowie durch konstruktive Konfliktgespräche.

Ein Training zur Stärkung und Stabilisierung kann eine Interventionsmöglichkeit im Sinne einer Präventionsmaßnahme sein. Sie stellt einen wesentlichen Beitrag zur Arbeitssicherheit für eine der wichtigsten Säulen unserer modernen Gesellschaft – den Beschäftigten im Gesundheitssektor. 

Unter der weiter oben beschriebenen Bedingung ist die Stärkung dieser emotionalen Kompetenzen bei Führungskräften dringend erforderlich, sonst drohen in der Folge Auseinandersetzungen und Konflikte, die schlimmstenfalls in einer psychischen Überlastung mit entsprechender Krankschreibung resultieren. Und dies in einem nie da gewesenen Ausmaß. 

Riskieren nicht, dass es in den Einrichtungen und Krankenhäusern soweit kommt. Investieren jetzt in die Stärkung und Stabilisierung der emotionalen Kompetenzen der Führungs- und Leitungskräften sowie der MitarbeiterInnen und stellen Sie damit professionelle und gesunde Arbeitsbedingungen her. Es zahlt sich auf jeden Fall langfristig aus. 

Weiterführende Literatur:

Barnow S., Reinelt E., Sauer C.: Emotionsregulation; Springer 2015 

Berking, M.: Training emotionaler Kompetenzen; Springer 2017

Goleman, D.: Emotionale Intelligenz; dtv 3. Auflage 2020


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